Vereinsgeschichte2018-10-21T17:56:24+00:00

Angefangen wurde mit Fasnachtsumzügen

1884

Am 9. Februar 1884 wurde die „Faschings-Gesellschaft Emmishofen“ gegründet, welcher angesehene Bürger angehörten, die vier Wochen vor dem Schmutzigen Donnerstag zu beschliessen pflegten, was man, „je nach Umständen und Mitteln“ unternehmen würde. Als Präsident wurde Konrad Müller Güniat gewählt.
Schon am 25. Februar 1884 konnte der erste grosse Fasnachtsumzug durchgeführt werden, mit zwölf teilnehmenden Gruppen. Eine „kolossale Menschenmenge“ begleitet den Zug.

1889

Der zweite Umzug fand am 4. März 1889 statt, auf einer grenzüberschreitenden Route zur Marktstätte in Konstanz. Diesmal beteiligten sich „135 Personen und 41 Pferde“.

1897

Emil Müller-Güth wird neuer Präsident.

1904

Der letzte grosse Umzug fand 1903 statt. Der Thurgauer Volksfreund berichtete, dass die Gemeinde Emmishofen wohl noch nie so viele Besucher gesehen habe, es sollen an die Tausend gewesen sein.

Der grosse Aufwand den die Umzüge mit sich brachten führte dazu, dass man neue Ziele setzte. So wurde am 6. Februar 1904 eine Neugründung vorgenommen, unter dem heute noch gültigen Titel „Narrengesellschaft Emmishofen“.

Nach den Statuten sollte der alte Brauch der Fasnacht aufrecht erhalten werden, durch „irgend eine passende Veranstaltung zur Faschingszeit“. Zum Beispiel ein Narrenabend mit lustigem Programm, Theater und Tanz.

1909

Am 22. Februar wurde zum „25 Jahre“ Jubiläum dann endgültig der letzte grosse Umzug durchgeführt. Im Thurgauer Volksfreund stand damals:“Das muss man den Emmishofern lassen, im veranstalten von Fasnachtsumzügen verdienen sie die Note 1. Da können wir Kreuzlinger noch gar vieles von ihnen lernen“.

1912

Carl Burkhart-Paul wird neuer Präsident

1914

In diesem Jahr reissen die Eintragungen im Protokollbuch ab, hervorgerufen durch die kriegerischen Narreteien. Am Aschermittwoch, 25. Februar 1925 fand wieder eine Versammlung statt, an der 36 alte und junge Narren teilnahmen.

1926

„Obwohl die heutige Zeit nicht gerade günstig einwirkt“, führt man im Hotel Rebstock das erste Programm nach dem Kreig auf. Bei einer „Friedenskonferenz“ wurden alle Register gezogen und der Chronist vermerkt: „S gab mancherlei zu hören, nur nichts von Abrüstung“.

1928

In Anwesenheit steinalter, eisgrauer Gründer wurde ein
„200 Jahr Jubiläum“ gefeiert. Doch danach litt die

Narrenegsellschaft stark unter der damaligen Wirtschafts- krise und einer damit verbundenen Interesselosigkeit für die Fasnacht. Darum kam es am 17. Februar 1930 mit einstimmigem Beschuss zur Liquidation der Gesellschaft.

1931

Offenbar fehlte den Emmishofern ihre Fasnacht, denn schon ein Jahr später wurde die NGE wieder neu gegründet und die Bemühungen „um den alten Brauch nicht der Vergessenheit anheim fallen zu lassen“ fortgesetzt. Zum Präsidenten wird Fritz Imobersteg erkoren.

Doch die „Neugründer“ mussten bald erkennen, dass es ihnen an Erfahrung für die Durchführung solcher Veranstaltungen fehlte. Es gab viel Kritik und so etwas wie Kriesenstimmung. Trotzdem wurde der Vorschlag, mit einem Wettbewerb Ideen beim Publikum zu suchen, verworfen.

1934

Malermeister Willhelm Nüssle wird Präsident der NGE und hat die Aufgabe, das Narrenschiff durch schwierige Zeiten zu steuern.
Die Fasnacht wird verboten

Die Fasnacht wird verboten

1939

Der letzte Eintrag im Protokollbuch, datiert vom 28. August: „Ein denkwürdiges Datum. Ein neuer Krieg steht vor der Türe. Als wir zu mitternächtlicher Stunde auseinander gehen, haben die freiwilligen Grenzkompanien den Festungsgürtel um Kreuzlingen längst besetzt“.
Deutsche aus den Reihen der Narren wurden eingezogen. Sämtliche Fasnachtsveranstaltungen wurden behördlich verboten.
Um sich nicht ganz zu entfremden, traf man sich regelmässig am Schmutzigen Donnerstag: „Fast alle Waffengattungen waren vertreten, nur keine Höheren!“.

1946

Sofort nach Aufhebung des Fasnachtsverbotes wurde mit einem besonderen Weckakt die Auferstehung der Emmishofer Fasnacht gefeiert.
Mehr und mehr verschwanden die Theatereinlagen aus dem Programm und die Geschehnisse aus dem öffentlichen Leben rückten in den Mittelpunkt des Interesses.
In den fünfziger Jahren wurden regelmässig Nummern- ausschnitte im Radio der Ostschweiz übertragen und die Aufführungen fanden mittlerweile dreimal statt.

1961

Nach beinahe dreissig Jahren übergibt Wilhelm Nüssle das Präsidium an Hans Morgenthaler. Unter seiner Ägiede stehen substantielle Veränderungen an.

1968

In diesem Jahr schaffen es die Emmishofer Narren ins Rampenlicht des Schweizer Fernsehens. Stundenlang wurde gedreht und aufgenommen, aber am Schluss nur ein kleiner Teil gesendet, wie dies beim Fernsehen üblich ist. Der Aufwand und die damit verbundenen Kosten waren so gross, dass es für die Narren ein schönes, aber einmaliges Erlebnis blieb.

1970

Da die Infrastruktur und die Platzverhältnisse im Rebstocksaal den Ansprühen immer weniger genügten, wurde der Auftrittsort in die neue Mehrzweckhalle verlegt. Diesem Entscheid gingen rege Diskussionen voraus und viele bedauerten, dass die legendäre Rebstockatmosphäre verloren ging. Aber der spätere Abbruch des Rebstocks hätte ohnehin zu einer Neuausrichtung geführt.

1971

Und wieder ein Wechsel im Präsidium. Rolf „Uhu“ Uhler übernimmt das Zepter der NGE und hilft sie mit grosszügigen Spenden zu konsolidieren.
Seine „Basler Bank“ wurde fortan von Roger Cotting live bebildert, was unseres Wissens schweizweit einmalig war.

1972

Erstmals wurde für die NGE ein Logo kreiert.

1974

Zum neunzigjährigen Bestehen der NGE wurde beschlossen, die etwas schäbig gewordenen Fräcke und Streifenhosen zu ersetzen. Sie sollten etwas eleganter und farbiger werden, aber dem Urbild mit Frack und Zylinder wollte man auf jeden Fall treu bleiben.

Närrisches nicht nur zur Fasnachtszeit

1977

Die Emmishofer machten auch ausserhalb der Fasnachtszeit gerne mal mit einem gelungenen Gag auf sich aufmerksam. Stellvertretend sei hier der absolute Höhepunkt dieser Aktivitäten wiedergegeben. Die englische Königin weilte auf Staatsbesuch in der Schweiz und beabsichtigte mit der Bahn vom Rütli nach Liechtenstein zu fahren. Dies war allgemein bekannt, aber die Narren lancierten über die Presse das

Gerücht, die Queen würde per Autokonvoi Kreuzlingen passieren. Über tausend Leute säumten die Strassen Kreuzlingens und trauten ihren Augen nicht, als die Emmishofer Narren in einigen schweren Amerikanerwagen, in Frack und Zylinder fröhlich winkend vorbeifuhren. Sie dachten, die Narren hätten einfach die Situation ausgenutzt und warteten Stunden später immer noch auf die Königin.

1984

Zum Jubiläum „100 Jahre NGE“ wurde, ganz unfasnächtlich, zu einem festlichen Ball geladen. Viele Behördenmitglieder, Prominenz, Vereine, Guggenmusiken und auch die ebenfalls hundertjährige Narrenzunft Niederburg aus Konstanz feierten mit den Narren dieses grosse Fest.

1985

Rolf Uhler gibt überraschend seinen präsidialen Rücktritt bekannt und als Nachfolger wird Roger Cotting gewählt. In seiner Präsidialzeit passierten die einschneidensten Veränderungen zur Anpassung der NGE an den Zeitgeist der Jahrtausendwende.

  • Im Einvernehmen mit dem Schulpräsidium wurden bauliche Massnahmen in der Mehrzweckhalle vorgenommen.
  • Der musikalische Teil wurde angepasst und die jahrzehntelange Begleitung von Otto Pfister an der Handharmonika mit einer Band ergänzt.
  • Vermehrt wurde der ganze Saal ins Programmgeschehen einbezogen.
  • Nach und nach wurden jüngere Mitglieder ins Team aufgenommen, um den Abgang altgedienter Publikumslieblinge wett zu machen.
  • Mit einem neuen, heute noch verwendeten Logo wurde der NGE auch ein zeitgemässer Auftritt verpasst.

1994

Nach langwieriger Suche und Verhandlungen mit der Stadt wurde im Keller des Sallmannhauses die Möglichkeit gefunden, ein eigenes Vereinslokal einzurichten. Die dazu nötigen Arbeiten und Kosten waren allerdings beträchtlich.

Seither wird in diesem Keller jährlich zur Jahrmarktszeit ein Fondueplausch für Jedermann angeboten.

1995

Mit der närrischen Zahl 111 wurde das nächste Jubiläum gefeiert. Der Narrenkeller wurde offiziell eröffnet und in Emmishofen zusammen mit allen Kreuzlinger Fasnachtsvereinen und Guggen ein Fasnachtswochenende wie zu früheren Zeiten gefeiert.

1996

Erstmals wurde mit dem Präsidenten ein Narrenmitglied in die Kreuzlinger Exekutive gewählt. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, hat er ein Jahr später das Präsidium abgegeben.

1997

Als Nachfolger wird der bisherige Vize Ruedi Wolfender gewählt. Unter seiner Führung hat sich die Narrengesellschaft wieder auf ihr Kerngeschäft, den Aufführungen im Saubachsaal, konzentriert. Diese Aufführungen wurden in „Narren-Night-Show“ umbenannt, mehr Technik hielt Einzug ins Programm und die Texte wurden fortan in einem Exel-Grundraster erfasst.Auch musikalisch gab es wieder Veränderungen. Die Songs wurden mit Playbacks untermalt, was sich bis heute bewährt hat und mittlerweile war man bei sechs Aufführungen angelangt.

2006

An der GV erklärte Ruedi Wolfender seinen Rücktritt vom Präsidium und weil der designierte Nachfolger im Wahlkampf um das Amt des Stadtammanns stand, wurde der Verein interimsweise von ihm als Vizepräsident geführt.
Nachden die Stadtammann-Wahl zugunsten eines anderen Kandidaten ausfiel, wurde, an einer ausserordentlichen Vereinsversammlung, Markus Baiker zum zehnten Präsidenten der NGE gekürt und diese Wahl gewann er einstimmig.

2009

Markus Baiker führte uns umsichtig in das Jubiläum „125 Jahre NGE“.
Es sollte wiederum ein Jubiläumsfest für die ganze Bevölkerung werden und so entschloss man sich, in Gedenken an die Anfänge, einen grossen Jubiläumsumzug durchzuführen. Viele Jahre lang hatte in Kreuzlingen kein solcher Umzug mehr stattgefunden und es war ungewiss, wie dieses Wagnis ausgehen würde. Letztendlich wurde es ein Grossereignis, welches bei den vielen teilnehmenden Gruppen und den äusserst zahlreichen Zuschauern mit Begeisterung aufgenommen wurde.

2012

Für dieses Jahr wurde von verschiedensten Seiten und gross aufgemacht der Weltuntergang angekündigt. Somit war das Motto für unsere diesjährige Narren-Night-Show klar und unter dem Titel „2012 Muntergang“ wurde das Thema in allen Varianten zelebriert. Schon bald danach wurde aber klar, dass die politischen Untergänge, die Wirtschaftsflaute und die Finanzkrise die eigentlichen „Weltuntergänge“ bedeuteten.

2014

Fünf Jahre nach dem 125 Jahre Jubiläumsumzug entschieden die Narren, den damaligen Erfolgsevent zu wiederholen. Nebst der happigen Bühnenshow, mit etlichen Optimierungen, war dies ein hartes Stück Arbeit, knapp an der Belastungsgrenze der Mitglieder. Aber das Resultat war überwältigend: Über 2’000 Umzugsteilnehmer und ein mehrfaches davon als Zuschauer hatten riesigen Spass und feierten ausgelassen auf dem Boulevard.